Geschichte 12.1 / nach der gemeinsamen Klärung

Wohlstand im Alltag

Was verrät die zunehmende Kühlschrankausstattung über Wohlstand in Bundesrepublik und DDR um 1970?

Befund / M1Beide Reihen zeigen eine Zunahme: Bundesrepublik 52 % (1962) und 84 % (Januar 1969), DDR 25,9 % (1965) und 56,4 % (1970). Der ausgewiesene spätere Haushaltsanteil ist in der Bundesrepublik höher.
AlltagsdeutungMehr Haushalte konnten Lebensmittel gekühlt aufbewahren. Mögliche Erleichterung ist eine Funktionsdeutung. Tatsächliche Nutzung, Zeitersparnis und Zufriedenheit sind nicht erhoben.
Verbindung / M2Der interne MfS-Bericht nennt Sortimentslücken trotz erfüllter Planaufgaben. Vorhandene Ausstattung und aktuelles Warenangebot sind verschieden. Steigende Ausstattung und gemeldete Angebotsprobleme können nebeneinander bestehen.
ReichweiteUnterschiedliche Zeiten und Erfassungen begrenzen den Vergleich. M2 belegt keine spezielle Kühlschrankverfügbarkeit und keinen westlichen Versorgungsalltag. Die Quellen erklären keinen vollständigen Wohlstandsabstand und keine Ursachen allein durch Markt oder Plan.
Unsere zentrale Erkenntnis: Zunehmende Konsumausstattung und Versorgungsschwierigkeiten können gleichzeitig bestehen. Für ein Urteil über Wohlstand brauchen wir mehrere Kriterien und geeignete Belege.

Rückblick auf B1: Das Werbeplakat verbindet das Gerät mit guter Versorgung und attraktivem häuslichem Alltag. M1 hilft, die Verbreitung zu untersuchen. Zufriedenheit, tatsächliche Arbeitserleichterung und typische Arbeitsteilung werden damit nicht nachgewiesen. Das ältere westliche Plakat und der DDR-Bericht bilden kein gleichartiges Quellenpaar.

Eigene fachlich geklärte Ergebnisfassung, Version 1.5.0. M1: Euler, WiSta 7/1974, S. 480, Tab. 4; Jahrbuch DDR 1989, S. 291, obere Tabelle. M2: MfS, Information zur Versorgung, 3.9.1970, BArch, ZAIG 4991. B1: Haus der Geschichte, Liebherr-Plakat, 1950er-Jahre, EB-Nr. 1988/4/269.178. Eigene Inhalte © Jan Hartwig, CC BY 4.0. Originalquellen ausgenommen.