WEBVTT

00:00:00.687 --> 00:00:02.433
Jona steht wieder vor dem Senden.

00:00:02.859 --> 00:00:06.381
Diesmal fragt Jona: Möchte ich wirklich, dass
die ganze Gruppe diesen privaten

00:00:06.406 --> 00:00:07.506
Screenshot sieht?

00:00:07.859 --> 00:00:11.084
Vielleicht entscheidet nicht eine zusätzliche
Lücke in der Natur über Freiheit,

00:00:11.109 --> 00:00:13.078
sondern die Art, wie Jona entscheidet.

00:00:13.517 --> 00:00:15.633
Genau hier setzt der Kompatibilismus an.

00:00:17.354 --> 00:00:20.986
Kompatibilismus ist die These, dass
Willensfreiheit und Determinismus vereinbar

00:00:21.011 --> 00:00:21.936
sind.

00:00:21.961 --> 00:00:25.430
Er muss dafür nicht beweisen, dass die Welt
tatsächlich deterministisch ist.

00:00:25.868 --> 00:00:29.501
Seine Behauptung lautet: Selbst wenn
Determinismus wahr wäre, könnte es freie

00:00:29.526 --> 00:00:30.626
Entscheidungen geben.

00:00:31.044 --> 00:00:34.846
Welche Entscheidungen dazugehören, hängt vom
jeweiligen Freiheitskriterium ab.

00:00:36.587 --> 00:00:40.537
Jona erinnert sich an ein Versprechen,
erkennt mögliche Verletzungen und wägt ab.

00:00:40.963 --> 00:00:43.867
Diese Vorgänge können Ursachen haben und
selbst Ursachen sein.

00:00:44.315 --> 00:00:47.873
Der kompatibilistische Gedanke: Dass ein
Entschluss verursacht ist, zeigt noch

00:00:47.898 --> 00:00:50.098
nicht, dass die Person dabei übergangen wird.

00:00:50.537 --> 00:00:54.181
Erinnern, Prüfen und Entscheiden können
gerade ihre Selbststeuerung ausmachen.

00:00:55.920 --> 00:00:58.278
Harry Frankfurt unterscheidet Ebenen des
Wollens.

00:00:58.704 --> 00:01:01.959
Ein Wunsch erster Ordnung richtet sich auf
eine Handlung: Ich will senden.

00:01:02.398 --> 00:01:05.743
Eine Volition zweiter Ordnung richtet sich
darauf, welcher Wunsch tatsächlich

00:01:05.768 --> 00:01:09.450
handlungswirksam werden soll: Ich will, dass
mein Wunsch nach Fairness mich leitet.

00:01:09.889 --> 00:01:13.061
So fragen wir, mit welchem Wollen sich die
Person identifiziert.

00:01:14.820 --> 00:01:17.835
Handlungsfreiheit fragt, ob Jona tun kann,
was Jona will.

00:01:18.261 --> 00:01:21.810
Frankfurts Frage nach Willensfreiheit
betrifft, ob Jona den Willen haben kann, den

00:01:21.835 --> 00:01:22.935
Jona haben möchte.

00:01:23.344 --> 00:01:26.600
Ein mächtiger Impuls und ein reflektierter
Wunsch können auseinanderfallen.

00:01:27.039 --> 00:01:30.736
Die bloße Möglichkeit, einen Knopf zu
drücken, klärt deshalb nicht die Freiheit des

00:01:30.761 --> 00:01:31.861
Wollens.

00:01:33.120 --> 00:01:36.901
Ein weiterer kompatibilistischer Ansatz
betont die Fähigkeit, Gründe zu erkennen

00:01:36.926 --> 00:01:38.793
und angemessen auf sie zu reagieren.

00:01:39.218 --> 00:01:42.656
Erfährt Jona, dass die Nachricht ausdrücklich
vertraulich war, kann dieses Wissen

00:01:42.681 --> 00:01:43.946
die Entscheidung verändern.

00:01:44.385 --> 00:01:46.798
Hier ändern wir die Gründe und damit die
Bedingungen.

00:01:47.246 --> 00:01:50.668
Wir behaupten keine andere Entscheidung bei
exakt identischer Vergangenheit.

00:01:52.420 --> 00:01:53.520
Denkpause.

00:01:53.707 --> 00:01:55.398
In beiden Fällen sendet Jona nicht.

00:01:55.833 --> 00:01:59.468
Einmal nach eigenem Abwägen, einmal weil ein
Zwang jede Entscheidung blockiert.

00:01:59.907 --> 00:02:02.413
Warum könnte das für Freiheit einen
Unterschied machen?

00:02:02.852 --> 00:02:05.719
Formuliere ein Kriterium und pausiere für
deine Antwort.

00:02:15.454 --> 00:02:18.422
Die kompatibilistische Antwort achtet auf den
Weg zur Handlung.

00:02:18.848 --> 00:02:21.678
Kann die Person verstehen, abwägen und ihr
Handeln steuern?

00:02:22.117 --> 00:02:25.934
Identifikation und Gründe-Responsivität sind
dabei verschiedene Ansätze, keine

00:02:25.959 --> 00:02:27.317
einheitliche Checkliste.

00:02:27.756 --> 00:02:30.548
Kompatibilismus sagt auch nicht, jede
Handlung sei frei.

00:02:30.987 --> 00:02:32.675
Zwang, schwere Kontrollverluste und

00:02:32.700 --> 00:02:35.122
Manipulation bleiben wichtige
Herausforderungen.

00:02:36.860 --> 00:02:38.032
Jetzt die Gegenprobe.

00:02:38.452 --> 00:02:42.318
In einem fiktiven Gedankenexperiment werden
Jonas Wünsche gezielt implantiert.

00:02:42.757 --> 00:02:44.856
Jona stimmt ihnen anschließend sogar zu.

00:02:45.304 --> 00:02:46.717
Ist das schon Selbstbestimmung?

00:02:47.156 --> 00:02:51.112
Inkompatibilistische Kritiker fragen: Genügen
innere Zustimmung und Gründe, wenn

00:02:51.137 --> 00:02:53.522
die Person deren letzte Herkunft nicht
kontrolliert?

00:02:53.961 --> 00:02:57.251
Gewöhnliche soziale Einflüsse sind damit
nicht automatisch mit Implantation

00:02:57.276 --> 00:02:58.376
gleichgesetzt.

00:02:59.887 --> 00:03:03.593
Kompatibilistische Antworten untersuchen
deshalb auch, wie Wünsche entstanden sind

00:03:03.618 --> 00:03:05.596
und ob die Person sie kritisch prüfen kann.

00:03:06.022 --> 00:03:09.858
Der Streit bleibt: Genügt eine solche
Selbststeuerung, oder verlangt Freiheit eine

00:03:09.883 --> 00:03:11.278
stärkere Urheberschaft?

00:03:11.717 --> 00:03:13.426
Beide Seiten brauchen ein Argument.

00:03:13.865 --> 00:03:17.046
Nur zu sagen, es fühle sich frei an,
entscheidet die Frage nicht.

00:03:18.787 --> 00:03:22.355
Dein Lernnachweis: Erkläre an Jona, wie eine
verursachte Entscheidung nach einem

00:03:22.380 --> 00:03:24.580
kompatibilistischen Ansatz frei sein könnte.

00:03:25.006 --> 00:03:26.363
Nenne dessen Kriterium.

00:03:26.802 --> 00:03:30.400
Formuliere danach den stärksten Einwand, den
du gegen diese Antwort findest.

00:03:30.839 --> 00:03:34.425
Im dritten Video prüfen wir, was diese
Kontroverse für moralische Verantwortung

00:03:34.450 --> 00:03:35.550
bedeutet.
